Kunst is the answer

Ausgangspunkt der Kampagne „Kunst is the answer” ist eine ungesehene Ausstellung von 30 Werken, die Wolfgang Meluhn im August 2009 in der Städtischen Galerie Halle/Westfalen nicht gezeigt hat.

Inspiration für die Hauptarbeiten dieser Ausstellung, es sind die sechs Überläufer-Bilder, waren Industrie-Gitterrostbrücken der Zeche Zollverein in Essen. Diese Gitterroste abstrahierten das Bild der Personen, die diese Brücken benutzten, zu Schatten und Schemen. Der Blick des Betrachters war auf die Unterseite der Füße gerichtet, das erforderte nach Ansicht des Künstlers auch eine Hängung der Bilder unter der Decke. Die in der Ausstellung gewählte Variante war ein Zugeständnis an den Ausstellungsraum, die Bilder wurden schräg von der Wand ausgehend in den Raum gehängt. So blieb der Blick des Betrachters, den es allerdings nicht gegeben hat, von unten erhalten.

Wie in einer üblichen Ausstellungszeit hingen die Arbeiten knapp sechs Wochen, allerdings in einer ungeöffneten Galerie. Es gab keine Vernissage, keine Finissage und das Gerücht, dass Meluhn eine Ausstellung hat und sie nicht öffnet, führte zu Versuchen von Interessenten, die Ausstellung zu sehen. Aber sie hatten keine Chance; niemand wurde herein gelassen.

Der Titel der Schau war formuliert mit den Worten „Sehen müsste man können, doch wir haben nur lesen gelernt” und beschreibt, was geschehen war.

Der Betrachter kann nicht sehen, da das, was er sehen will, ihm nicht gezeigt wird. Die verschlossene Galerietür verhindert den Besuch und die Betrachtung. Die künstlerische Bedeutung geht aber noch weiter und verdreht die sonstige Ignoranz von Ausstellungsbesuchern, die die Kunst eines Künstlers oder einer Künstlerin betrachten, aber sie nicht verstehen und sich nicht auf den Dialog mit den Bildern und dem Künstler einlassen wollen.

Hier wird dem Profi oft nicht vertraut, dass das, was er macht, auch deshalb als Kunst einen Wert hat, da er diesen Wert dem Werk zumisst. Auch der Automonteur wird in seinem Tun nicht verstanden, aber wenn das Auto wieder läuft, ist der Zwischenschritt unverstanden, aber akzeptiert. Bei Kunst ist das genauso. Die Kunst hat aber per se nicht diesen originären Wert, da ein Zweck vom Betrachter offenbar nicht zugebilligt wird.

„Kunst is the answer” ist ein Künstlerprojekt des 21. Jahrhunderts. Meluhn zelebriert seine Selbstbestimmung jenseits eines Marktes, kommuniziert mit anderen und respektiert die jeweilige Autonomie. Er agiert mit jeder Form von Öffentlichkeit. Geäußert wird real, virtuell, bildlich, brieflich, animiert, statisch, bei Tisch oder per Katalog. Und die Antwort auf alle Fragen der Zeit heißt „Kunst is the answer”.

Christiane Hoffmann M.A., Kunstagentur Hoffmann,
Rheda-Wiedenbrück